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Muskelhypothek: Vor- und Nachteile

Die sogenannte Muskelhypothek ist deine persönliche Arbeitsleistung, die du beim Hausbau mit einbringst. Damit kannst du Handwerkerlohnkosten einsparen und bringst gleichzeitig mehr Eigenkapital in die Finanzierung. Aber welche Risiken birgt eine solche Muskelhypothek und worauf müssen Bauherren achten? Das erfährst du hier.

Was ist eigentlich eine Muskelhypothek?

Eigenleistungen beim Hausbau kannst du selber durchführen oder dir dabei von Familienmitgliedern oder Freunden helfen lassen. Anstatt Handwerker mit diversen Aufgaben zu beauftragen, nimmst du die nötigen Arbeiten selber vor. Im Idealfall können damit mehrere Tausend Euro gespart und fehlendes Eigenkapital ausgeglichen werden. 

 

Durch die geringeren Baukosten, sinkt auch die Höhe des Darlehens, welches ihr von der Bank benötigt. Das kann zu besseren Zinskonditionen und damit zu niedrigeren monatlichen Raten führen.

 

Im ersten Moment hört es sich vielleicht leichter an, als es wirklich ist. Daher ist eine realistische Betrachtung rudimentär.

Welche Ausbaustufen gibt es beim Hausbau?

Heutzutage haben Bauherren und -frauen viele Option: Von Bausatzhaus über Ausbauhaus bis hin zur schlüsselfertigen Variante. Bei der Auswahl kann einem Bauwilligen schon einmal schwindelig werden.

 

Bei einem Bausatzhaus werden lediglich die erforderlichen Bausätze des Anbieters geliefert. Hier sind die Bauherren von Anfang an gefordert, denn sie übernehmen den Rohbau und den anschließenden Innenausbau.

 

Beim Ausbauhaus ist dies schon etwas einfacher für den Käufer. Hier errichtet nämlich der Anbieter den Rohbau. Das Haus ist sozusagen von außen fertig. Die Bauherren müssen sich ausschließlich um den Innenausbau kümmern, sprich um die Elektrik, die Heizungs- und Sanitäranlagen sowie das Streichen der Wände und das Verlegen der Bodenbeläge und Fliesen.

 

Die mit Abstand beliebteste Variante ist das schlüsselfertige Haus. Anders als bei den anderen Varianten kümmert sich hier die Baufirma um den Rohbau und den Innenausbau. Bei einigen Anbietern bekommt ihr ein wirklich schlüsselfertiges Haus, also Schlüssel nehmen und einziehen. Bei anderen Anbietern liegen das Streichen oder sogar Böden verlegen noch in eurer Hand.

Welche Eigenleistungen machen beim Hausbau Sinn?

Die meisten Bauherren übernehmen folgende Arbeiten, die als Eigenleistung Sinn machen:

  • Tapezieren und Malern
  • Fußbodenbeläge einbauen
  • Fliesen verlegen
  • Garten anlegen, Zaunbau
  • Dach dämmen
  • Zimmertüren einsetzen

Wenn ein Elektromeister ein Haus baut, wird er sich sicherlich selber um die Haustechnik kümmern. Laien wird dringend davon abgeraten, sich an solchen Aufgaben zu versuchen. Meist verzögert dies den Baufortschritt und kann sogar zu höheren Kosten führen. 

Wie viel Geld kann ich durch Eigenleistungen beim Hausbau sparen?

Die Muskelhypothek kann beim Hausbau den Eigenkapitalanteil deiner Finanzierung erhöhen. Viele Banken akzeptieren 10 bis 15 Prozent der Darlehenssumme als Eigenleistung.

 

Im Schnitt kann man sagen, dass Eigenleistungen die Kosten für den Hausbau um bis zu 10.000 Euro senken können. Sicherlich gibt es auch Bauherren, die deutlich mehr Eigenleistungen übernehmen und damit bis zu 25.000 Euro oder mehr einsparen. Dies bleibt allerdings die Ausnahme, da es sich in diesen Fällen meist um Profis handelt, die genau wissen was sie tun. Wenn ein Bauherr mehr als den Standard selber übernehmen möchte, erwarten die meisten Banken einen Nachweis, dass er über das nötige Know-How verfügt.

 

Eine gelernte Fachkraft arbeitet in etwa doppelt so schnell wie ein Laie. Wenn die Lohnkosten also für ein Gewerk bei 3.500 Euro liegen hat die Fachkraft etwa 100 Stunden gearbeitet. Als Laie ist man mindestens 200 Stunden mit der gleichen Aufgabe beschäftigt. Ob man diese Zeit und Kraft nach Feierabend hat, muss jeder für sich entscheiden.

 

Außerdem eignen sich einfach nicht alle Arbeiten dazu, in Eigenleistung durchgeführt zu werden. Arbeiten an Sanitäranlagen und Elektroinstallationen sollten zum Beispiel immer von einem Profi erledigt werden. Hier ist es wichtig, Fehler zu vermeiden. Wenn anschließend ein Handwerker nachbessern muss, wird es meistens noch teurer, als wenn man gleich einen qualifizieren Fachbetrieb angefragt hätte.

Risiken bei einer Muskelhypothek nicht übersehen.

Risiken bestehen dann, wenn der Bauherr sich zu viel vornimmt, falsch informiert ist und dann später nicht das erfüllen kann, was im Kaufvertrag vereinbart wurde. Gewerke bauen aufeinander auf. Wenn also keine Innenwände stehen, können auch keine Türen eingesetzt werden und ohne verlegte Rohre ergibt es keinen Sinn eine Toilette installieren zu wollen. Was sind die größten Risiken die durch Eigenleistung entstehen?

  • Selbstüberschätzung (Wer sich und seine Fähigkeiten oder den zeitlichen Aufwand falsch einschätzt, kann das Nachsehen haben. Oft führt dies zu erheblichen Mehrkosten und gegebenenfalls zu einer teuren Nachfinanzierung.)
  • Verzögerung der Fertigstellung (Sobald Eigenleistung andere Handwerker beeinflusst, kann es durch fehlerhafte Arbeit zu Verzögerungen kommen. Hier ist es am besten Eigenleistungen zu wählen, die unabhängig vom Zeitplan der Gewerke erledigt werden können.)
  • Falsche Materialauswahl (Durch fehlende Material-Kenntnisse können Mängel entstehen, die wiederum zu teuren Nacharbeiten führen können.)
  • Unerwartete Ausgaben (Du hast doch nicht das richtige Werkzeug Zuhause und musst dir etwas Neues kaufen oder leihen? Schnell können solche unerwarteten Kosten entstehen, da du diese Arbeit vermutlich selten bis nie machst.)
  • Erhöhte Materialkosten (Viele Handwerker bieten Ihren Kunden spezielle Materialpreise an. Wenn diese jedoch ohne Handwerkerleistung erworben werden, schlagen die Fachbetriebe meist einen Aufpreis für die entgangene Arbeit auf.)
  • Keine Gewährleistung (Wenn bei deiner Eigenleistung Mängel entstanden sind, musst du für die Beseitigung selber aufkommen. Die Gewährleistung greift nur dann, wenn ein Fachbetrieb mit der Arbeit beauftragt wurde.)

Fazit

Ob sich eine Muskelhypothek wirklich lohnt, ist abhängig von deinem handwerklichen Talent und dem deiner fleißigen Bauhelfer. Auch solltest du den zeitlichen Aufwand nie unterschätzen. Eine Muskelhypothek lohnt sich meist nur im kleinen Rahmen und fällt oft viel geringer aus, als die meisten erwarten würden.

 

Daher lohnt sich häufiger ein Anruf beim Fachmann. Zum Aufstocken des Eigenkapitals wird es dennoch gerne benutzt.

Übersicht der wichtigsten Punkte zur Muskelhypothek:

  • Schätze deine Fähigkeiten und den entstehenden Zeitbedarf bei Eigenleistungen realistisch ein.
  • Bereite für das Finanzierungsgespräch eine Kalkulation deiner Eigenleistungen vor.
  • Banken akzeptieren im Schnitt Eigenleistungen in Höhe von 10.000 bis 20.000 Euro. Sofern du mehr Eigenleistung einbringen willst, benötigt die Bank einen Nachweis, dass du dazu befähigt bist (zum Beispiel durch einen Elektriker-Meisterbrief).
  • Gehe keine Risiken ein. Übernehme nur Aufgaben, die den zeitlichen Ablauf deines Bauvorhabens nicht gefährden.
  • Besonders wichtige und komplizierte Arbeiten sollten immer von Fachleuten vorgenommen werden.
  • Besprich mit dem Bauleiter alle Eigenleistungen und lass diese durch ihn abnehmen.
  • Wenn du als Bauherr Arbeiten mit Helfern erledigen willst, sind diese als Bauhelfer der Berufsgenossenschaft zu melden und entsprechend zu versichern.

 

Du hast bereits den Hausbau hinter dir und konntest von der Muskelhypothek profitieren? Dann melde dich bei uns unter blog@lbs-ost.de. Gerne würden wir über deine Erfahrung berichten.

 

 

Autor: Peggy vom Bloggerteam